1971 - 1980
(0-0)


(1-1) Mitte des Jahres 1970 k√ľndigte der Wehrleiter Josef Radermacher bei einer Versammlung an, dass er sein Amt als Wehrleiter, das er vor 4 Jahren √ľbernommen hatte, zum 31.12.1970 abgeben w√ľrde. Unterbrandmeister Karl Sion, seit Mai 1962 Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, wurde als neuer Wehrleiter vorgeschlagen und mit Mehrheit von den Versammlungsmitgliedern gew√§hlt. Um die G√ľltigkeit der Wahl zu best√§tigen, musste eine Anh√∂rung der Wehr durch den damaligen Kreisbrandmeister Hubert Hennes erfolgen. Die Richtigkeit der Wahl wurde bei einer erneuten Mitgliederversammlung - mit nur einer Stimmenthaltung - best√§tigt. Damit stand fest, dass Karl Sion ab 1. Januar 1971 Wehrleiter der Gemeinde Eilendorf wurde.

(2-1) Bis zur Amts√ľbernahme am 1. Januar 1971 absolvierte Karl Sion an der Landesfeuerwehrschule in M√ľnster die Lehrg√§nge "Brandmeister und Hauptbrandmeister" mit Erfolg. √úber Ausnahmegenehmigungen wurde er innerhalb von knapp zwei Jahren vom Unterbrandmeister zum Hauptbrandmeister bef√∂rdert. Ende 1971 ehrte ihn der Kreisfeuerwehrverband Aachen mit der "Goldenen Ehrennadel".

(2-2) Durch das "Gesetz zur Neuregelung der Gemeinden und Kreise (Aachen-Gesetz)" vom 14. Dezember 1971, das am 1. Januar 1972 in Kraft trat, wurden die Gemeinden Brand, Eilendorf, Haaren, Kornelim√ľnster, Laurensberg, Richterich und Walheim Stadtteile der Stadt Aachen.

(2-3) Mit Inkrafttreten des Gesetzes wurde aus der

Freiwilligen Feuerwehr Eilendorf

die

Freiwillige Feuerwehr
der Stadt Aachen
Löschzug Eilendorf

(2-4) Oberstadtdirektor Dr. Anton Kurze wurde aufgrund des Gesetzes Vorgesetzter der gesamten Aachener Feuerwehr (Berufs- und Freiwillige Feuerwehr) und Brandassessor Dipl.-Ing. Joachim Starke Amtsleiter. Alle Wehrleiter der fr√ľheren Gemeinden wurden L√∂schzugf√ľhrer der jeweiligen Stadtteile.

(3-1) Hauptbrandmeister Karl Sion wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1972 zum L√∂schzugf√ľhrer des L√∂schzuges Eilendorf ernannt.

(3-2) Die Freiwillige Feuerwehr Aachen bestand jetzt aus dem L√∂schzug Aachen-Stadt und den sieben neuen L√∂schz√ľgen der eingemeindeten Stadtteile. Hinzu kamen sp√§ter die neu gegr√ľndeten L√∂schz√ľge Aachen-Mitte, Sief und Verlautenheide, sodass sich die Freiwillige Feuerwehr Aachen nun aus elf L√∂schz√ľgen zusammensetzte.

(3-3)

(4-1) Der L√∂schzug Eilendorf z√§hlte bei der Eingemeindung zu Aachen rund 55 Mitglieder. Er war ein wesentlicher Bestandteil der Aachener Feuerwehr mit entsprechendem Einsatzwert. Karl Sion, in seiner Funktion als L√∂schzugf√ľhrer, appellierte an die Mannschaft, sich gegen√ľber der neuen Wehrleitung und den Mitgliedern anderer L√∂schz√ľge, fair, diszipliniert und kameradschaftlich zu verhalten.

(5-1) Aufgrund von Neubauma√ünahmen, die in den Jahren 1969 ‚Äď 1972 durchgef√ľhrt wurden, hatte der L√∂schzug Eilendorf in Aachen die modernsten Unterk√ľnfte und Fahrzeughallen.

(6-1) Dass die fr√ľhere Feuerwehr Eilendorf √ľber eine gute und komfortable Ausstattung und Ausr√ľstung verf√ľgte, war dem Umstand zu verdanken, dass der damalige Gemeindedirektor Heinrich Thomas - anders als die meisten anderen fr√ľheren Gemeindedirektoren des alten Landkreises Aachen - seiner Ortsfeuerwehr pers√∂nlich sehr verbunden war. Dies wurde bei seiner Verabschiedung auch deutlich zum Ausdruck gebracht.

(6-2) Nachdem 1967/68 feststand, dass die Gemeinde Eilendorf ein Stadtteil von Aachen wurde, f√§delte Leo Frings, mit Unterst√ľtzung von Hans Plum, beide Gemeinderatsmitglieder der CDU, einen Gemeindelandverkauf an die Stadt Stolberg ein, um mit dem Erl√∂s Projekte finanzieren zu k√∂nnen, die die Stadt Aachen wahrscheinlich nicht durchgef√ľhrt h√§tte. Der Verkauf war problematisch, aber er gelang. Die Eilendorfer Feuerwehr hatte durch den Gemeindelandverkauf einen gro√üen Nutzen, was die damalige SPD Fraktion, unter F√ľhrung von Leo Jungen, verhindern wollte. Die Finanzierung der Neubauten an der Von-Coels-Stra√üe und die Anschaffung der neuen Fahrzeuge, war nur durch dieses "Husarenst√ľck" m√∂glich.

            

(7-1) Bei einem Festabend, zu dem der Gemeindedirektor Heinrich Thomas eingeladen hatte, wurde am 8. Januar 1971 der fr√ľhere Wehrleiter Josef Radermacher und sein Stellvertreter Josef Contzen offiziell verabschiedet und Karl Sion als neuer Wehrleiter vorgestellt.

(7-2) Am Rosenmontag des Jahres 1971 musste in der Rochusstraße (heute Breitbendenstraße) ein Zimmerbrand gelöscht werden, durch den ein Bewohner des Hauses schwere Verbrennungen erlitt, die eine Einlieferung ins Krankenhaus erforderlich machten.

(7-3) Unter der √úberschrift "In zehn Tagen zehnmal Alarm" berichtete die Presse am 10.05.1971 √ľber die H√§ufigkeit der Eins√§tze. Die Eins√§tze konnten, dank der guten Ausbildung, problemlos und fachgerecht durchgef√ľhrt werden.

(7-4) Am 3. M√§rz 1972 brach gegen 18 Uhr in der Gummiwarenfabrik Pongs ein Feuer aus, das von der Berufsfeuerwehr, den L√∂schz√ľgen Eilendorf, Brand und Sief erfolgreich bek√§mpft werden konnte. Der Brand verursachte einen Schaden von rund einer Million DM.

(8-1) Ein Feuer, das sich am 10. April 1972 bei der Waggonfabrik Talbot vom Kleinfeuer zum Gro√üfeuer entwickelt hatte, musste von der Berufsfeuerwehr und den L√∂schz√ľgen Haaren, Verlautenheide, Eilendorf und Laurensberg gel√∂scht werden. Die sogenannte "Gr√ľne Halle" brannte in voller Ausdehnung. Erst nach mehreren Stunden konnte das Feuer unter Kontrolle gebracht werden. Drei Feuerwehrmitglieder wurden dabei leicht und einer schwer verletzt. Der Sachschaden wurde auf √ľber 10 Millionen DM gesch√§tzt.

(9-1) Seit Gr√ľndung der Feuerwehr geh√∂ren Steiger√ľbungen zur Feuerwehrausbildung. F√ľr solche √úbungen war an der R√ľckseite der Schule Nirmerstra√üe ein "Steigerturm" angebaut, der auch als Schlauchturm genutzt wurde. Als die neuen Ger√§tehallen an der Von-Coels-Stra√üe fertiggestellt waren und die Berufsfeuerwehr die Schlauchpflege zentral √ľbernommen hatte, war der Steiger-/Schlauchturm √ľberfl√ľssig und wurde 1972 abgerissen. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Steigerturm der Berufsfeuerwehr zu √úbungszwecken genutzt.

(10-1) Im Zuge einer Neuordnung fasste man im Mai 1972 die L√∂schz√ľge Eilendorf und Verlautenheide zu einer Feuerwehrbereitschaft zusammen. Bereitschaftsf√ľhrer wurde Karl Sion. Die neue Feuerwehrbereitschaft √ľbernahm zehn Fahrzeuge, die vom Dezernenten Peter Hanl √ľbergeben und in Eilendorf und Verlautenheide stationiert wurden. Allerdings wurde diese Feuerwehrbereitschaft bereits im Juni 1973 aufgrund eines neuen Bundesgesetzes wieder aufgel√∂st.
Die Bundesfahrzeuge blieben weiter bei den L√∂schz√ľgen Eilendorf und Verlautenheide stationiert. Die Fahrzeuge, f√ľr die keine sinnvolle Verwendung erkennbar war, waren kein Gewinn, sondern wegen der anfallenden Pflegearbeiten eine zus√§tzliche Arbeitsbelastung.

Der Funkkommandowagen (Fukow-Munga DKW-Baujahr 1963), der zu den Fahrzeugen des Bundes gehörte, blieb im Gegensatz zu den anderen Bundesfahrzeugen, die nach und nach ausgemustert wurden, im Bestand vom kommunalen Fahrzeugpark des Löschzuges. Der Fukow, der bereits 1970 mit Lackierung und Verdeck in Farben der Bundeswehr beim Löschzug stationiert wurde, wurde auf Kosten der privaten Kameradschaftskasse des Löschzuges umlackiert (RAL3000 rot) und mit einem neuen roten Verdeck versehen. Im Jahr 2013 wurde das Fahrzeug vom "Feuerwehrverein Eilendorf e.V.", gegen Zahlung einer Spende an die Jugendfeuerwehr Aachen, von der Stadt Aachen erworben und wurde dadurch Eigentum des Vereins.

(11-1) Die im Feuerwehrhaus vorgesehenen Wohnungen wurden als Dienstwohnungen f√ľr Feuerwehrangeh√∂rige ausgewiesen. Deshalb schrieb der Wehrleiter Josef Radermacher an den Gemeindedirektor Heinrich Thomas diesbez√ľgliche Antr√§ge, denen auch entsprochen wurden.
Das neue Feuerwehrhaus mit Wohnungen, das neben den Fahrzeughallen erstellt worden war, √ľbergab im Rahmen einer Feierstunde im April 1972 der ehemalige B√ľrgermeister Hans Haase dem L√∂schzug.
Aus Kostengr√ľnden waren die Innenr√§ume nur sehr k√§rglich ausgestattet worden. Deshalb finanzierte der L√∂schzug die Materialien f√ľr eine angemessene Innenausstattung selbst. Die erforderlichen Handwerksarbeiten f√ľhrten Mitglieder des L√∂schzuges in der Freizeit aus. Auch die Au√üenanlage erstellten die Mitglieder des L√∂schzuges und die Materialien wurden aus der L√∂schzugkasse bezahlt.

(12-1) Gro√üen Wert legt der L√∂schzug auf eine gute Ausbildung und achtet sehr darauf, dass seine Mitglieder regelm√§√üig an √úbungen und Schulungen teilnehmen. Solche √úbungen und Schulungen sind lehrreich, interessant und nicht immer nur eine ernste Angelegenheit. Gut geschult zu sein ist die Voraussetzung, um im Ernstfall richtig handeln zu k√∂nnen. Gelegentlich muss der L√∂schzugf√ľhrer Mitglieder des L√∂schzuges auch schriftlich anmahnen, regelm√§√üig an den √úbungen und Schulungen teilzunehmen, und wenn es sein muss, schlie√üt die Wehrleitung auf Antrag des L√∂schzuges auch schon einmal jemanden aus der Wehr aus. Nicht selten erfolgen Zwangsaustritte auch aufgrund von Charakterschw√§chen von einem Mitglied. Meistens geben die Zwangsentlassenen gegen√ľber Dritten dann unwahre Erkl√§rungen (M√§rchen) ab, weshalb ihre Mitgliedschaft aufgehoben wurde. So versuchte auch der Schreiber des Briefes, den der L√∂schzug im Jahr 1983, 32 Jahre nach seiner unfreiwilligen Entlassung erhielt, seine Person ins rechte Licht zu r√ľcken. Seit Herbst 1973 erfolgt die Grundausbildung der Feuerwehrmannanw√§rter aller L√∂schz√ľge zentral. Auch die weiterbildenden Lehrg√§nge werden zentral durchgef√ľhrt und die L√∂schz√ľge stellen die Ausbilder. Ein Vorteil der zentralen Ausbildung ist, dass bei Spezialthemen immer geeignete Fachausbilder zur Verf√ľgung stehen.

      

(13-1) Viele Jahrzehnte war es Tradition, dass die im Sommer stattfindenden Au√üen√ľbungen mit einem gemeinsamen Kirchgang begonnen wurden.



(14-1) Es war eine gute Entscheidung, die Frauen und Bräute der Mitglieder an außerdienstlichen Tätigkeiten mehr teilhaben zu lassen.
Dadurch entfielen viele Familiendiskussionen wegen der h√§ufigen Abwesenheit der Mitglieder von zu Hause und zudem wurde der Gemeinschaftssinn des L√∂schzuges gest√§rkt. In der Folge zeigte sich immer wieder, dass viele Aktionen ohne die Mithilfe der Frauen unm√∂glich h√§tten durchgef√ľhrt werden k√∂nnen.
Genauso viel Wert legte die L√∂schzugf√ľhrung bei Festen und Unterhaltungen auf die Teilnahme der Ehren- und Altersabteilung sowie der Jugendfeuerwehr.



(15-1) Am 30. September 1972 wurde mit allen Fahrzeugen und Mitgliedern eine Nachtfahrt in die Eifel durchgef√ľhrt. Nach einer √úbung in einem Eifeldorf wurde Pause gemacht und Verpflegung verteilt.

(16-1) Am 16.03.1973 wurde in der Gastst√§tte "Lindenhof", Eilendorf, bei einer Mitgliederversammlung der Stadtfeuerwehrverband Aachen gegr√ľndet. Wehrleiter Starke begr√ľndete den Sinn und Zweck: "Es gilt, die L√∂schz√ľge so zusammenzufassen, dass die vereinsm√§√üigen Aufgaben und Ziele besser nach au√üen vertreten werden k√∂nnen."

(17-1) Im Herbst 1973 beschlossen die L√∂schzugf√ľhrer, eine Jugendabteilung zu gr√ľnden, in der alle Jugendfeuerwehrmitglieder der Stadt Aachen zentral ausgebildet werden sollen. Leider standen aber nicht immer geeignete Ausbilder zur Verf√ľgung, so dass es oft zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den L√∂schz√ľgen und der Jugendabteilung kam. Nach mehrmaligen erfolglosen Beschwerden, schrieb Karl Sion 1975 dem Wehrleiter: "Nach heutigem Stand ist die Jugendfeuerwehr wie eine Kinderverwahrschule und keine Jugendabteilung, wie sie das Gesetz vorschreibt." Die Zust√§nde in der Jugendabteilung waren f√ľr Karl Sion so unverst√§ndlich, dass er einen Leserbrief schrieb, der √ľber die gr√∂√üte Fachzeitschrift "Feuerwehr-Magazin" bundesweit ver√∂ffentlicht wurde.

Die Gruppe des L√∂schzuges Eilendorf bei der Ausbildung mit Friedel Eidneier †


(18-1) Karl Sion konnte im Herbst 1973, aufgrund seiner bei der Feuerwehr erworbenen Kenntnisse in "Erste Hilfe" und seiner Ortskenntnisse, einem auf der Autobahn A 44 verunfallten Pkw-Fahrer das Leben retten. Auf Antrag der Autobahnpolizei Aachen Eschweiler wurde ihm am 02.04.1974 die Auszeichnung "Kavalier der Straße" verliehen. Nähere Einzelheiten können dem Pressebericht entnommen werden.

(19-1) Im Sommer 1974 musste der L√∂schzug an einem Samstagmorgen gegen 6 Uhr zusammen mit der Berufsfeuerwehr zu einem Brand in der Steinstra√üe ausr√ľcken. Eine Gastst√§tte brannte in voller Ausdehnung und im Wohnhaus versperrten die Flammen dem Hausbesitzer den Fluchtweg, sodass dieser sich √ľber die Dachterrasse in Sicherheit bringen musste. Sein Hund, der ihn durch sein Gebell auf den Brand aufmerksam gemacht hatte, sprang auch von der Dachterrasse in den Innenhof. Auch er √ľberlebte ohne Blessuren. Die Einsatzkr√§fte mussten das Mobiliar und die Holzverkleidungen der R√§ume entsorgen, um an alle Brandnester zu kommen. Dabei wurde ein getarnter Geldbeh√§lter in den Abfallcontainer geworfen. Der Gastwirt und L√∂schzugmitglieder suchten und fanden den Geldbeh√§lter. Entstanden war der Brand, der nichts mehr brauchbar lie√ü und alle R√§ume unbenutzbar machte, durch eine defekte Friteuse.

(19-2) In den Jahren 1974 bis 1978 starteten in Eilendorf zwischen 40.000 und 60.000 Reisetauben von polnischen Z√ľchtern, um in die Heimat zu fliegen. Die Mitglieder des L√∂schzuges √ľbernahmen bei der Ankunft und vor dem R√ľckflug die Aufgabe, die Tiere zu tr√§nken, die Begleitpersonen zu betreuen und die Fahrzeuge zu reinigen, damit diese wieder die Transitstrecke der DDR befahren durften. Auf Einladung der polnischen Taubenz√ľchter fuhren Eilendorfer L√∂schzugmitglieder, der Bezirksbrandmeister Peter Backes und Vertreter der Presse am 26.4.1979 zu einem mehrt√§gigen Besuch nach Polen. Viele Erfahrungen und Erlebnisse waren beeindruckend.
Sonderdokumentation "Polenfahrt"



(19-3) Ein besonderes Erlebnis war der Besuch bei der "Schwarzen Madonna" in Czestochowa, einem ber√ľhmten Wallfahrtsort. Das jedoch beeindruckendste Erlebnis war die Besichtigung des Konzentrationslagers Auschwitz mit den Erinnerungen an die Ermordeten und den Einrichtungsgegenst√§nden, mit denen die Ermordungen durchgef√ľhrt worden waren.

(20-1) Die Veranstaltung "Rursee in Flammen" war im Juli des Jahres 1975 f√ľr den L√∂schzug eine willkommene Gelegenheit, um im Rahmen der Veranstaltungen am Rursee eine √úbung durchzuf√ľhren, die zu einem Wasserschauspiel wurde. Die gesamte Mannschaft und alle Fahrzeuge waren beteiligt. Alle verf√ľgbaren Pumpen wurden eingesetzt, so dass schlie√ülich 32 Strahlrohre gleichzeitig Wasser abgeben konnten, das font√§nenartig in den See schoss. Im Vorfeld wurden alle (fast alle) Eventualit√§ten ber√ľcksichtigt, nur nicht der Umstand, dass die Wiese, auf der die Fahrzeuge standen, nach dem Wasserspektakel, das in den Abendstunden bei Dunkelheit stattfand, v√∂llig aufgeweicht wurde. Die Fahrzeuge mussten ‚Äď trotz Allradantrieb ‚Äď von einem PS-starken Traktor auf die Stra√üe gezogen werden. Diese Pannenbehebung dauerte bis in die Morgenstunden. Die Organisatoren von "Rursee in Flammen" m√ľssen von dem Schauspiel und Wasserspektakel begeistert gewesen sein, da sie in den n√§chsten Jahren die ortsans√§ssige Wehr und Nachbarwehren animierten, die Idee des L√∂schzuges Eilendorf zu kopieren. Auch alle Ehefrauen, Br√§ute und Kinder der L√∂schzugmitglieder nahmen an der Fahrt teil.

(21-1) Im Dezember 1975 beteiligten sich die L√∂schzugmitglieder an der Suche nach einem 80-j√§hrigen vermissten Eilendorfer B√ľrger. Erfolglos wurden Waldgebiete abgesucht und die Bev√∂lkerung um Mithilfe gebeten. Leider lag der gesuchte B√ľrger zu diesem Zeitpunkt schon "unerkannterweise" in der Pathologie-Abteilung des Klinikums.

(22-1) Mit dem Wort "Feuerwehr" wird meistens Feuerl√∂schen und Hilfeleistung verbunden. Das dies nicht immer stimmt, bewies im Herbst 1975 die Aktion "Helft uns helfen". Das Ziel der Aktion war, der Behindertenwerkstatt einen Kleinbus zu schenken, um damit die behinderten Besch√§ftigten zu bef√∂rdern. Es wurden eigene Veranstaltungen, teilweise mit hohem Kostenrisiko, durchgef√ľhrt und Spenden bei Veranstaltungen von Vereinen im Saalbau Geulen gesammelt. Nach f√ľnf Monaten zeitaufwendiger Arbeit konnte, mit finanzieller Unterst√ľtzung durch Freunde, der Kleinbus bei einer Festmatinee im Beisein von Oberb√ľrgermeister Kurt Malangr√© und vielen Vertretern des √∂ffentlichen Lebens √ľberreicht werden.


(22-2) Zus√§tzlich wurden 5.000 DM zum Bau eines Behindertenheims √ľbergeben. Selbst bekannte K√ľnstler wie Udo J√ľrgens, Udo Lindenberg, Heino, Karel Gott oder Rudolf Schock beteiligten sich an der Hilfsaktion nicht nur mit einem Autogramm, sondern auch mit eigenen Spenden. Die Aktion war f√ľr die Behindertenhilfe von gro√üem Nutzen und brachte dem L√∂schzug einen erheblichen Imagegewinn. Als Dank erhielt der L√∂schzug ein von Behinderten angefertigtes Bild, das den Schulungsraum des L√∂schzuges versch√∂nert. Trotz allem Nutzen f√ľr die Behinderten gab es bei der Aktion einen Wermutstropfen, als ein unglaublicher Vorgang bekannt wurde: Knapp zwei Jahre nach der √úbergabe hatte ein L√∂schzugmitglied beim Zocken mit einem Autodealer den vom L√∂schzug verschenkten Bus, der beim Kauf fast 17.000 DM gekostet hatte, als Ersatz f√ľr den Spieleinsatz von 1.100 DM gewonnen und nutzte ihn als Lieferwagen. Als die L√∂schzugmitglieder davon erfuhren, waren sie verst√§ndlicherweise ver√§rgert.

(23-1) Gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr musste der L√∂schzug im M√§rz 1976 zum Bauernhof Keusch an der Von-Coels-Stra√üe ausr√ľcken, da sich dort ein Feuer zum Gro√übrand entwickelt hatte. Sechs Rinder kamen in den Flammen um, die Scheune und der Stall wurden zu Schutt und Asche. Der Sachschaden wurde auf 50.000 DM gesch√§tzt.

(24-1) Als in der Aachener Sedanstraße am 10. Juni 1976 das Lager der Holzhandlung Rein in Flammen stand, war auch der Löschzug Eilendorf fast drei Tage im Einsatz. Rund 300 Feuerwehrmänner der Berufs- und freiwilligen Feuerwehr löschten im Schichtdienst. Durch diesen Einsatz wurden diejenigen, die die Existenzberechtigung einer freiwilligen Feuerwehr neben der Berufsfeuerwehr bezweifelten, eines Besseren belehrt.

(25-1) Bei einem Brandeinsatz auf der sogenannten "Shiloh-Ranch" im M√ľselterweg zeigte sich, wie wichtig es f√ľr aktive Feuerwehrmitglieder ist, Einsatzgegebenheiten einzu√ľben um im Ernstfall die Feuerwehrger√§tschaften richtig bedienen zu k√∂nnen. Bei diesem Einsatz verwechselte ein L√∂schzugmitglied die Wasseranschl√ľsse am Fahrzeug und deshalb wurde die Wasserweitergabe zur Brandbek√§mpfung enorm verz√∂gert. Ein Fehler, der nicht vorkommen darf. Ein Fehler, der auch nicht vorkommen darf, war das Verhalten von L√∂schzugf√ľhrer Karl Sion. Entgegen aller Vorschriften stieg er ungesichert auf das nasse und mit Moos bewachsene Eternitdach der Scheune und rutschte - zur Belustigung der Einsatzkr√§fte - wie auf einer Sprungschanze in das abgel√∂schte Stroh. F√ľr ihn war sein "Abrutscher" insofern eine Lehre, als dass er k√ľnftig nicht nur bei anderen auf die Einhaltung der Vorschriften achtete, sondern auch f√ľr sich selbst keine Ausnahmen in Anspruch nahm.

(26-1) Die Mitglieder des L√∂schzugs nahmen regen Anteil am Eilendorfer Vereinsleben, sodass der L√∂schzug in der Vereinsgemeinschaft eine nicht unwichtige Rolle spielte. Mehrere Jahre stellte er beim Volksradfahren, das in Eilendorf durchgef√ľhrt wurde, die teilnehmerst√§rkste Gruppe und errang dadurch den Wanderpokal. In den Sommermonaten wurden des √Ėfteren Nass-√úbungen auf den Eilendorfer Sportpl√§tzen durchgef√ľhrt, um die Rasenfl√§chen zu bew√§ssern. Diese Hilfe wurde von den Sportvereinen gerne angenommen, aber nach einer B√ľrgerbeschwerde vom Wasserwerk verboten. Die Begleitung der Martinsz√ľge, der Fronleichnamsprozession, die aktive Beteiligung an Pfarr- und B√ľrgerfesten sind eine Selbstverst√§ndlichkeit.

      

(26-2) Anlässlich des Pfarrfestes von St. Severin im September 1978 bot der Löschzug der Bevölkerung bei Dunkelheit ein Wasserspiel mit Illumination, wie es in Eilendorf noch nie zu sehen war.

(27-1) Mit Schreiben vom 8. Mai 1978 versetzte der Wehrleiter, Joachim Starke, den Gerätewart aufgrund seines Gesundheitszustandes und seiner Interessenverlagerung im Alter von nur 44 Jahren in die Altersabteilung und nicht in die Ehrenabteilung. Nachfolger wurde Friedel Sistermann, der dieses Amt bis zu seiner Überstellung in die Ehrenabteilung im Jahr 2007 vorbildhaft versah.

(28-1) Dass die Feuerwehr feiern kann, stellte sie dadurch unter Beweis, dass sie sich Jahr f√ľr Jahr zahlreich am Karnevalsgeschehen beteiligte. Eigene karnevalistische Veranstaltungen, die Karl Sion organisierte und Klaus Mannheims unterhaltsam als Sitzungspr√§sident leitete, wie auch die Teilnahme am Karnevalszug, waren Tradition. Die Karnevalsveranstaltungen, die haupts√§chlich im Saalbau Geulen stattfanden, wurden meistens von 800 - 1000 G√§sten besucht. Auch der Aachener Oberb√ľrgermeister, Vertreter der Eilendorfer Vereine und Kirchengemeinden sowie 1982 der Pr√§sident des Deutschen Feuerwehrverbandes, Hinrich Struve, besuchten die Veranstaltungen. Der Pr√§sident bedankte sich schriftlich f√ľr seine Teilnahmem√∂glichkeit. Diese Veranstaltungen konnten ab dem Jahr 1989 aus finanziellen Gr√ľnden nicht mehr durchgef√ľhrt werden, da die Gagen der Auftretenden und die Nebenkosten zu hoch geworden waren.

Eine Besonderheit dieser Veranstaltungen war, dass immer mindestens 150 Freikarten an finanziell unterst√ľtzungsbed√ľrftige B√ľrger verteilt wurden. Au√üerdem wurden Gehbehinderte mit Feuerwehrfahrzeugen zum Veranstaltungsort hin- und von dort wieder zur√ľckgefahren. Dieses Angebot war in Eilendorf einmalig. Damit die Wehrleitung dem L√∂schzug bez√ľglich der Karnevalsveranstaltungen keine Vorschriften machen konnte, wurde der Verein "Freiwillige Freunde Eilendorf", der nicht im Vereinsregister eingetragen wurde, gegr√ľndet.
Der Verein hatte einen eigenen Orden (mit Urkunde) kreiert, der an ausgewählte Personen verliehen wurde.

Nennenswert ist eine Begebenheit aus dem Jahr 1978: Wenige Tage vor Karneval wurde das Mitglied Friedel Sistermann im Krankenhaus operiert und er durfte deshalb, auf ärztliche Anordnung, nicht aktiv am Karnevalszug teilnehmen. Kurzerhand montierten Löschzugmitglieder auf einem geeigneten Feuerwehrwagen ein Liegebett und Friedel S. konnte in Eilendorf und Aachen im Karnevalszug mitfahren.

                    

(29-1) Rauchwolken auf dem Gel√§nde der Firma Wertz zeigten am 11. Mai 1978 einen gr√∂√üeren Einsatz an. Eine Halde mit aufgestapelten Schrottautos war in Brand geraten und es bestand die Gefahr, dass sich das Benzin, das noch in den Tanks war, entz√ľndete und es zu einer Explosion kommen w√ľrde. Das trat aber gl√ľcklicherweise nicht ein. Gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr konnte der L√∂schzug den Brand schnell unter Kontrolle bringen.

(30-1) 1978 verteilte der L√∂schzug in gro√üer Anzahl "Rettende Atemmasken". Sie sollten helfen, bei der Wiederbelebung von verunfallten Personen die Ekelbarriere zu √ľberwinden. Da diese lebensrettende Hilfe sinnvoll war, brachte die Verteilung dem L√∂schzug viel Lob und Anerkennung. Besonders gelobt wurde die Idee der Vorsorge.

(31-1) 1965 wurde es m√∂glich, dass wehrdienstpflichtige junge M√§nner statt Dienst bei der Bundeswehr einen Ersatzdienst bei einer anerkannten Hilfsorganisation ableisten konnten und so kamen auch etliche Ersatzdienstler zur Feuerwehr. Die Ersatzdienstverpflichtung galt f√ľr zehn, sp√§ter f√ľr acht Jahre. Allerdings stellte sich nach kurzer Zeit bei den meisten Dienstverpflichteten heraus, dass sie als Feuerwehrmitglieder ungeeignet waren. Sie waren f√ľr die Gemeinschaft "Feuerwehr" kein Gewinn, sondern eine Belastung. Es gab immer wieder √Ąrger wegen √úbungsnichtteilnahme, Querelen und Auseinandersetzungen wegen angeblich zu gro√üer Arbeitsbelastung, Nichterscheinen bei Eins√§tzen usw. Deshalb traten die meisten, sogenannten "Freigestellte", auch nach Ablauf der Verpflichtungszeit aus der Feuerwehr aus.

(32-1) Viele Jahre sorgte der L√∂schzug f√ľr ein imposantes Martinsfeuer und verteilte an die Kinder des Martinszuges Weckm√§nner. Diese Tradition wurde beendet, als einige Eltern der Kinder meinten, die Regularien bestimmen zu m√ľssen.

      

(33-1) "Die Russen kommen" war das Losungswort einer gro√üen Katastrophen-schutz√ľbung, die f√ľr Samstag, den 27. Oktober 1979, vom Regierungspr√§sidenten angeordnet worden war. Einzelheiten k√∂nnen dem Pressebericht entnommen werden. Bei dieser √úbung erntete der L√∂schzug von den Offiziellen gro√ües Lob f√ľr die gute Pflege der Einsatzfahrzeuge und Ger√§te. Besonders interessant sind im Pressebericht die Anmerkungen √ľber die "Teetrinker".

(34-1) Im Fr√ľhjahr des Jahres 1980 startete der L√∂schzug eine gro√üe humanit√§re Hilfsaktion f√ľr Polen. Hilfsg√ľter in Form von Lebensmitteln, Kleidung, Arzneimitteln und medizinischen Ger√§ten usw. wurden gesammelt und haupts√§chlich von den Frauen der Feuerwehrmitglieder sortiert und verpackt. Die Aktion traf auf ein positives Echo in der Aachener Presse, deren Berichterstattung wesentlich zum Erfolg beitrug. Selbst das bundesweite Fernsehen berichtete √ľber die Aktion. Die Fahrt nach Polen war ein gro√ües Abenteuer, aber auch gleichzeitig eine Fahrt, die den Feuerwehrmitgliedern auf angenehme Art und Weise Fahrpraxis vermittelte, die zum sicheren Lenken von Feuerwehrfahrzeugen erforderlich ist. die zum sicheren Lenken von Feuerwehrfahrzeugen erforderlich ist. Vor der Abfahrt w√ľnschte Oberb√ľrgermeister Kurt Malangr√© allen Teilnehmern eine gute Fahrt und Monsignore Wolfgang R√∂mer segnete die Polenfahrer/-innen. Zur Verabschiedung fand sich auch Bezirksbrandmeister Peter Backes ein, um Gl√ľck zu w√ľnschen. Als die Helfer und Helferinnen zwei Tage sp√§ter in Katowice/Polen haltmachten, waren sie erstaunt, dort Monsignore R√∂mer anzutreffen und zu erfahren, dass dieser Domherr der polnischen Kirche war.
Auch Papst Joannes Paulus II. bedankte sich schriftlich am 22. September 1981 f√ľr die humanit√§re Hilfe, die sein Vaterland durch den L√∂schzug Eilendorf erhalten hatte.
Sonderdokumentation "Polenhilfe"

(35-1) Als im Jahr 1980 einige B√ľrger den Vorschlag machten, im Turm des Geb√§udes der Bezirksverwaltung am Heinrich Thomas Platz eine Uhr einbauen zu lassen, entschloss sich die Eilendorfer Vereinsgemeinschaft diese zu finanzieren.Es wurden Vereinsfeste, Saalveranstaltungen mit gro√üer Tombola usw. zu Gunsten der Uhrfinanzierung veranstaltet. Die erste gro√üe Spende in H√∂he von 2.500.11 DM erfolgte durch den L√∂schzug Eilendorf. Der L√∂schzug hatte f√ľr diesen Zweck einen ausgemusterten Einsatzleitwagen, einen "VW K√§fer", versteigert. Alle Eilendorfer Vereine beteiligten sich an der Uhr-Aktion, erfuhren aber vom damaligen Bezirksvorsteher und Schirmherrn der Aktion nicht die Ein- und Ausgaben der Veranstaltungen, und auch nicht die Kosten der Uhr.

(36-1) Seit dem Jahr 1980 f√ľhrt die Feuerwehr Aachen j√§hrlich einen Leistungsnachweis durch, der aus praktischen und theoretischen Aufgaben besteht. Die Teilnahme ist freiwillig und trotzdem stellen sich j√§hrlich immer 15 bis 17 Mitglieder des L√∂schzuges diesem Test. Der L√∂schzug und jeder Teilnehmer erh√§lt nach bestandener Pr√ľfung eine Urkunde.


Auch "Alte Hasen" stellen sich diesem Leistungstest um zu beweisen, dass sie noch nicht zum "alten Eisen" gehören.


v.l.: Andre Blum - Hardy Noppeney - Karl Sion - Josef Krings - Klaus Mannheims - Norbert Lautermann - Michael Jungheim - Uwe Paland - Dieter Kamphausen

(37-1) In der Chronik von 1983 ist dokumentiert, dass bereits im Jahr 1964 eine Gruppe des L√∂schzuges an einem Leistungswettbewerb, der in Stolberg auf Kreisebene stattfand, teilnahm. Die Gruppe, die Oberbrandmeister Josef Radermacher f√ľhrte, wurde in der Wertung 1. Sieger. 1965 nahm auf Bezirksebene eine Gruppe unter F√ľhrung von Brandmeister Karl Ertz in Niederkr√ľchten an dem Leistungswettbewerb teil.

(38-1) Als 1980 aus der Alten Schule an der Nirmerstra√üe ein Vereinsheim wurde, finanzierte der L√∂schzug aus der Kameradschaftskasse das Vereinsschild, da angeblich die Stadtkasse daf√ľr keine Geldmittel zur Verf√ľgung hatte.


(99-0) Informationen √ľber den L√∂schzug Eilendorf finden Sie unter:

Löschzug Eilendorf


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